Chiffreschrift Landschaft
Gruppenausstellung
07.05. – 21.08.2010
Eröffnung: Donnerstag 06.05. um 19 Uhr
Sommerpause: 13.07. – 03.08. 2010
In seiner „Kritik der Urteilskraft” (1790) definiert Kant (1724 – 1804) die Naturschönheit als „Chiffreschrift”, durch die Natur zu uns spricht. Damit ist ein Code gemeint, eine spezielle Form der Sprache, des Ausdrucks, der Lesbarkeit, mittels der Natur und ihre Erscheinungsformen für uns erkennbar werden. In der Romantik (ca. 1790 – 1850), die mit Sehnsuchtsmotiven als Gegenreaktion auf die Epoche der Aufklärung folgte, war der Begriff „Chiffreschrift”, der geheimnisvolle Zeichen aus Alchemie, Magie und Mystik mit einbezog, weit verbreitet.
Die Natur- und Landschaftsdarstellung war immer ein zentraler Gegenstand in der Kunst. Das Sehnsuchtsmotiv in der zeitgenössischen Fotografie ist offensichtlich gerade deshalb ein Thema, weil Landschaft heute im großen Maßstab umcodiert wird. Es stellt sich die Frage nach Lesbarkeit, Verständlichkeit und Sinn heutiger Chiffren und nach dem Grad der Entfremdung.
Die Ausstellung zeigt, wie Künstler auf diese Themen reagieren. Es geht um Naturschönheit unter dem Aspekt heutiger Codes anhand von Beispielen gegenwärtiger Naturaneigung. Vertreten sind Künstler der Galerie, die sich auf unterschiedliche Weise mit diesen Fragen beschäftigen: Peter Boerboom & Carola Vogt, Hans-Christian Schink, Olaf Unverzart, Eva Leitolf, Hubertus Hamm, Moritz Partenheimer, Benedikt Partenheimer, Alexandra Vogt, Thomas Schulz, und Peter Vann.
Boerboom + Vogt thematisieren in ihrer Arbeit „Abenteuerland” Neuinterpretationen des Waldes durch Hochseilgärten, Bogenschießanlagen oder Baumwipfelwege. Alexandra Vogt fügt irritiert Bilderbuchbergkulissen, Thomas Schulz untersuchte mittels verschiedener Medien (Foto, Video, Töne und Geräusche) den Bau des Euro-Tunnels. Eva Leitolf zeigt mit ihrer Serie „Ganz still und stumm” künstlich angelegte Natur als "Idealtypus" und Anschauungsobjekt in Dioramen für Museumsbesucher. Moritz Partenheimers Arbeit lebt von der Spannung zwischen Natur und Künstlichkeit, Hans-Christian Schink hat für “LA Night” Randgebiete der Stadt Los Angeles bei Nacht aufgenommen. Olaf Unverzart interessiert sich für Spuren von Zivilisation als Zeichen die sich einer Deutung entziehen. Hubertus Hamm fotografiert seit vielen Jahren Strukturen in der Landschaft - gleich welchen Ursprungs. Peter Vanns Schneisenbilder, aufgenommen in den Wäldern um Berlin, zeigen vordergründig ein klassisch-romantisches Waldklischee – es handelt sich jedoch um Waldnutzung im großen Maßstab. Benedikt Partenheimer hat Grenzverläufe zwischen Staaten fotografiert – der Landschaft sieht man die vom Menschen zugewiesene Bedeutung nicht an – doch verlaufen hier Trennlinien zwischen Religion, Nationalität und Rassenzugehörigkeit.










